Unterschiedliche Baupläne sind in anspruchsvollen Zeiten (Dezember) oft präsenter als sonst
Der innere Bauplan: warum wir so verschieden fühlen, denken und reagieren.
Jeder Mensch hat einen eigenen inneren Bauplan.
Er bestimmt, wie wir fühlen, Entscheidungen treffen, Stress verarbeiten, was uns motiviert und was uns überfordert.
Keine zwei Baupläne sind gleich - nicht einmal in derselben Familie.
Für viele entsteht der Eindruck: „Wir ticken einfach komplett unterschiedlich.“
Und genau das ist wahr.
Was ist ein innerer Bauplan?
Der innere Bauplan ist die individuelle Architektur unseres Nervensystems und unserer Persönlichkeit. Er setzt sich zusammen aus:
• Temperament (angeborenes Reizniveau, Impulsivität, Sensibilität)
• frühen Bindungserfahrungen
• familiären Mustern
• inneren Antreibern (z. B. „sei perfekt“, „sei stark“)
• Stress- und Emotionsregulation
• Werten und Bedürfnissen
Dein Bauplan ist nicht besser oder schlechter als der eines anderen, nur anders.
Wie entsteht der Bauplan?
In mehreren Schichten:
1. Biologie – das Rohmaterial (Temperament, Reizverarbeitung, ADHS-Neigung).
2. Bindung – der statische Kern: Sicherheit, Geborgenheit, Selbstwert.
3. Prägungen – wie in der Ursprungs Familie mit Stress, Fehlern und Gefühlen umgegangen wurde.
4. Anpassungsstrategien – wie man gelernt hat zu funktionieren, um dazugehören zu dürfen.
5. Entwicklungswege – Erfolge, Verletzungen, Lebenserfahrungen.
So entsteht eine sehr individuelle „Betriebsanleitung“.
Kann man seinen Bauplan an Kinder weitergeben?
Teilweise ja – aber nie 1:1.
Weitergegeben werden können:
• gewisse Temperamentsmerkmale
• Stressmuster
• Umgang mit Emotionen
• Kommunikationsstile
• Modelle von Nähe und Distanz
Aber:
Kinder haben ihren eigenen Bauplan.
Er ist nicht die Kopie des elterlichen, sondern eine Kombination aus Anlage + Kontext + eigenen Anpassungen.
Wann hilft es, wenn Eltern ihren Bauplan weitergeben?
Wenn Eltern:
• Orientierung und Struktur geben
• Sicherheit vermitteln
• Stressregulation modellieren
• Werte und Grenzen vorleben
→ dann stärkt ihr eigener Bauplan die Kinder.
Wann schadet es?
Wenn Eltern glauben:
„Mein Weg ist der richtige – also muss er auch für dich funktionieren.“
Schädlich wird es, wenn:
• Kinder gegen ihr eigenes Temperament leben müssen
• hochsensibel = „zu empfindlich“ genannt wird
• ADHS-Kinder in starre Perfektionsmuster gepresst werden
• introvertierte Kinder zu Dauer-Sozialkontakt gedrängt werden
• spontane Kinder zu rigider Ordnung gezwungen werden
Das führt zu:
• Überanpassung
• Selbstzweifel
• Scham
• Perfektionismus
• Identitätsproblemen
• Regulationsschwierigkeiten
Wie löst man Bauplan-Konflikte?
Indem man anerkennt:
Es gibt nicht den richtigen Weg – es gibt deinen und meinen.
Und wir müssen herausfinden, wie beide nebeneinander funktionieren können.
Innere Ordnung entsteht nicht, wenn alle gleich sind,
sondern wenn Unterschiede verstanden werden.
Typische Bauplan-Konflikte:
• Perfektionistische Mutter vs. ADHS-Kind
• introvertiertes Kind vs. extrovertierter Vater
• planungsorientiertes Elternteil vs. spontan-neugieriges Kind
• hochsensibles Kind vs. lautes, direkte Kommunikation
• schnelle Denkerin vs. langsamer Verarbeiter
• „Erst Ordnung, dann Entspannung“ vs. „Erst Entspannung, dann Ordnung“
Baupläne in Partnerschaften: Warum Gegensätze kollidieren
• Nicht nur Kinder und Eltern haben unterschiedliche Baupläne,
auch Paare.
• Typische Konstellationen in Beziehungen:
• 1. Die Aktive vs. der Ruhige
• Sie treibt an, organisiert, denkt voraus.Er regeneriert langsam, braucht mehr Pausen.
→ Sie fühlt sich allein gelassen.
→ Er fühlt sich überfordert.
• 2. Nähe-Typ vs. Rückzugstyp
• Einer verarbeitet durch Kontakt, der andere durch Distanz.
→ Beide denken, der andere liebt weniger.
• 3. Perfektionismus vs. Improvisation
• Einer plant, der andere vertraut dem Moment.
→ Beide fühlen sich missverstanden.
• 4. Emotionstyp vs. Faktentyp
• Einer fühlt viel, einer denkt viel.
→ Sie reden aneinander vorbei, obwohl beide „recht“ haben.
• 5. Ordnung-Typ vs. Freiheits-Typ
• Sicherheit wird unterschiedlich empfunden.
Schlussfolgerung:
Paarprobleme entstehen selten, weil jemand „falsch“ ist
sondern weil zwei unterschiedliche Systeme ohne Übersetzung aufeinandertreffen.
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Jeder Konflikt ist eine Einladung:
Weniger Bewertung, mehr Verständnis.
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Wie löst man Bauplan-Konflikte?
Durch Anerkennung:
„Es gibt nicht den richtigen Weg. Es gibt deinen und meinen.
Und wir müssen herausfinden, wie beide nebeneinander funktionieren können.“
Hilfreiche Fragen:
• Wie reguliere ich Stress – wie du?
• Was brauche ich, um mich sicher zu fühlen?
• Was überfordert deinen Bauplan regelmäßig?
• Wo kollidieren wir immer wieder?
• Welche kleinen Anpassungen würden uns sofort entlasten?
Innere Ordnung entsteht nicht, wenn alle gleich funktionieren,
sondern wenn Unterschiede verstanden werden.